Erinnerungskultur

Grüne fordern tiefere Auseinandersetzung mit Kolonialismus

Das Bremische Erinnerungskonzept Kolonialismus soll fortgesetzt und weiterentwickelt werden. Das sieht ein von den Grünen initiierter Antrag vor, den die Bürgerschaft heute beschlossen hat. 

Der grüne Bürgerschaftsabgeordnete Ralph Saxe erklärt dazu: „Das schreckliche Unrecht des europäischen Kolonialismus hat die Weltgeschichte erschüttert. Dabei wirkt diese Epoche bis heute weiter. Kriege, wirtschaftliche Ausnutzung und struktureller Rassismus sind Folgen, die weiter Schaden anrichten. Bremen hat eine gute Tradition in der Aufarbeitung des Kolonialismus. Ein von uns Grünen initiierter Antrag für ein Erinnerungskonzept Kolonialismus in der letzten Legislaturperiode hat Prozesse ausgelöst und die Debatte vertieft. Wir wollen eine noch tiefere Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus. Wir wollen den Stadtteilbeiräten Mut machen, die kolonialen Straßennamen in ihren Stadtgebieten umzubenennen und mit Legenden zu versehen und möchten sie dabei auch finanziell unterstützen. Wir wollen die Auseinandersetzung mit der kolonialen Geschichte und deren heutigen Auswirkungen in den Lehrplänen der Schulen verankern und sie in der Lehramtsausbildung merklich stärken. Weitere Schwerpunktsetzungen an unseren Universitäten und in der Forschung sind unverzichtbar. Bezüglich der Bremer Bismarckstatue am Rathaus wollen wir einen Prozess anstoßen, um zu klären, wie mit dem Denkmal angesichts der unsäglichen Rolle Bismarcks im Kolonialismus umgegangen werden soll.“

Kai Wargalla, kulturpolitische Sprecherin betont: „Bremen trägt wegen seiner zentralen Rolle im Kolonialismus eine besondere Verantwortung. Aus dieser Verantwortung heraus kritisieren wir auch auf Bundesebene zwei Punkte explizit: Es ist eine Schande, dass es bislang keine offizielle Entschuldigung für den von Deutschen initiierten Völkermord an den Nama und Herero im heutigen Namibia gibt. Und es ein unverständliches Versäumnis, dass es bislang keine nationale Gedenkstätte und keine Dokumentationszentren gibt. Außerdem ist es für uns elementar, dass der antikoloniale Diskurs und die Erinnerungsarbeit maßgeblich von den Nachkommen der ehemals Kolonisierten und denen, die heute von Rassismus betroffen sind, bestimmt werden. Ein großer Dank gilt den zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen in Bremen, die seit Jahren unermüdlich aufarbeiten, aufklären und Druck machen. Wir möchten das aufgreifen, unsererseits besser werden und die politische Aufarbeitung und Dekolonisierung intensiver vorantreiben.“

Neuste Artikel

Finanzen

Haushalt 2022/23: Klimaschutz, Bildung und Armutsbekämpfung im Fokus

Tierschutz

Zusätzliche Klagerechte für mehr Tierschutz beschlossen

Ähnliche Artikel