Moderne Familienpolitik mit Elterngeld nach Islands Vorbild

Pressemitteilung der Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft

Mütter und Väter sollten sich die Care- und Erziehungsarbeit gerecht aufteilen

Zu den aktuellen Diskussionen um eine Reform des Elterngeldes hat die Grüne Fraktion Bremen ein Positionspapier verabschiedet. Sie fordert eine verbindliche partnerschaftliche Verteilung der Elternzeit auf Väter und Mütter. Solveig Eschen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin der Bremer Grünen für Arbeitsmarktpolitik und Geschlechterpolitik, hat das Papier für die Fraktion der Bremischen Bürgerschaft verfasst:

„Das Elterngeld sollte in Zukunft einen starken Anreiz geben, die Sorgearbeit gerechter zwischen beiden Elternteilen aufzuteilen. Es ist jetzt Zeit, echte Partnerschaftlichkeit zu wagen! Viele Väter wünschen sich eine aktive Rolle in der frühen Familienphase, Mütter wollen das auch. Eine moderne Familienpolitik muss dies stärker berücksichtigen und strukturelle Hürden abbauen. Denn wer als Vater heutzutage mehr als zwei Monate Elternzeit nimmt – die oft falsch als Vätermonate bezeichneten zusätzlichen zwei Partnermonate des jetzigen Elterngeldes – wird in vielen Fällen mindestens schief angeguckt. Gleichzeitig werden Frauen im gebärfähigen Alter von Arbeitgebern von vornherein als Risiko betrachtet und erleiden Nachteile auf dem Arbeitsmarkt. Erfahrungen aus Island haben gezeigt, dass eine grundsätzlich paritätische Aufteilung von Elterngeld da Abhilfe schaffen kann.“

Elternschaft braucht volle Akzeptanz auch in der Arbeitswelt

Die isländische Praxis zeigt, dass nicht übertragbare Zeitanteile im Elterngeldbezug ein entscheidender Erfolgsfaktor für Gleichberechtigung bei der Erziehung und im Arbeitsmarkt sind. Verbindliche nicht übertragbare Ansprüche für beide Eltern stärken die tatsächliche Beteiligung von Vätern an der Sorgearbeit und fördern gesellschaftliche Gleichstellung: Mütter kehren früher in den Beruf zurück und bleiben im Erwerbsleben verankert, Väter beteiligen sich stärker an Kinderbetreuung und Hausarbeit. Diese Effekte reichen auch über die Elternzeit hinaus und beeinflussen die Aufgabenverteilung in Familien ebenso wie die Akzeptanz von Elternschaft im Beruf langfristig positiv.

„Wir lehnen Kürzungen beim Elterngeld ab!“, erklärt Eschen abschließend. „Das Elterngeld ist eine großartige Errungenschaft und hat eine bald 20-jährige Tradition in Deutschland. Eine moderne Familienpolitik muss sich nun den nächsten Schritt trauen: mehr Gerechtigkeit und Akzeptanz für die Sorgearbeit. Das Elterngeld ist dabei ein zentrales Instrument auf dem steinigen Weg zur Gleichstellung. Davon profitieren Kinder, Eltern und die ganze Gesellschaft einschließlich eines modernen, zeitgemäßen Arbeitsmarktes.“