Der Angriff auf ein schwules Paar in der Bremer Altstadt zeigt den wachsenden Handlungsbedarf gegen queerfeindliche Gewalt. Nötig sind mehr Prävention, Beratung und Unterstützung für Betroffene statt Kürzungen im Bereich queeres Leben.
Kai Wargalla, queerpolitische Sprecher*in der Grünen-Fraktion:
„Der Angriff auf das schwule Paar zeigt einmal mehr, wie real die Gefahr von Hass und Gewalt für queere Menschen im Alltag ist. Leider ist der öffentliche Raum für queere Menschen immer noch kein sicherer Ort. Dabei finden solche Übergriffe auch immer wieder mitten am Tag an belebten Orten statt – in der Bremer Innenstadt, in Straßenbahnen, auf Schulhöfen und CSDs. Nirgendwo scheint man als queere Person wirklich sicher und natürlich macht das was mit einem. Solche Angriffe wirken in die gesamte queere Community hinein, sollen verunsichern, einschüchtern und Angst machen. Aber genau das dürfen wir nicht hinnehmen! Wir dürfen nicht zulassen, dass queere Menschen aus dem öffentlichen Leben verdrängt werden, sich zurückziehen oder sich verstecken, sobald sie zur Tür rausgehen. Queere Menschen sollen sich in Bremen frei und sicher bewegen können.
Wie groß der Handlungsbedarf in Bremen ist, zeigen auch die Antworten des Senats auf unsere Kleine Anfrage zu queerfeindlichen Straftaten, die letzte Woche veröffentlicht wurden. Die in der polizeilichen Kriminalstatistik für Bremen erfasste Anzahl queerfeindlicher Straftaten steigt immer weiter an,seit 2020 hat sie sich verdreifacht. Ein noch dramatischeres Bild zeichnet die aktuelle Sicherheitsbefragung, die am Donnerstag in der Innendeputation beraten wird. Demnach sind queere Menschen viel häufiger von bestimmten Straftaten betroffen, bringen aber gleichzeitig viel weniger Übergriffe zur Anzeige. Rund 28 Prozent der Befragten, die als sexuelle Orientierung lesbisch, schwul, bisexuell, queer oder asexuell angaben, waren im Jahr 2024 Opfer einer Sexualstraftat. Rund 15 Prozent waren Opfer von Beleidigungen und Bedrohungen im Internet. Das ist jeweils ein Vielfaches der Betroffenenheit in der Gesamtbevölkerung. Die Anzeigequote bei diesen Delikten beträgt hingegen nur zwischen zwei und vier Prozent. Das Dunkelfeld queerfeindlicher Gewalt ist also groß, die offiziellen Statistiken zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Bundesweit sehen wir die gleiche Entwicklung.
Umso besorgniserregender sind die massiven Kürzungen der Bundesregierung, bei wichtigen Präventions-, Bildungs- und Beratungsprojekten im Bereich queeres Leben. Gerade angesichts der wachsenden Zahl queerfeindlicher Straftaten, darf doch nicht ausgerechnet bei den Strukturen gespart werden, die Gewalt vorbeugen, Vorfälle sichtbar machen und Betroffene beraten und unterstützen. Das ist das völlig falsche Signal! Ich möchte, dass wenigstens von uns in Bremen das Signal an queere Bremer*innen ausgeht, dass wir den Handlungsdruck sehen, dass wir unsere Anstrengungen verstärken und bestehende Strukturen ausbauen müssen.“
Solveig Eschen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Geschlechterpolitik von Bündnis 90/Die Grünen in der Bremischen Bürgerschaft:
„Während in Bremen tausende Menschen gemeinsam Einheit, Freiheit und Demokratie feiern, werden zwei Männer auf ihrem Heimweg schwulenfeindlich beleidigt und angegriffen – einfach nur weil sie ein Paar sind. Das führt uns erneut schmerzhaft vor Augen, dass die Freiheit, sich selbstverständlich und ohne Angst im öffentlichen Raum bewegen zu können, nicht für alle Menschen gleichermaßen gilt. Es kann nicht sein, dass queere Menschen überlegen müssen, wo sie sich offen als Paar zeigen können, ohne Anfeindungen oder Gewalt fürchten zu müssen. Wir verurteilen diesen Angriff aufs Schärfste. In Bremen muss jeder Mensch unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, seiner geschlechtlichen Identität und seiner Partnerwahl sicher und selbstbestimmt leben können. Die Ermittlungsbehörden müssen den Angriff jetzt konsequent aufklären. Wir hoffen, dass sich Zeug*innen bei der Polizei melden.“