Inklusion

Grünes Grundverständnis

Inklusion heißt für uns, jede/jeden in ihrer/seiner Einzigartigkeit zu erkennen, Talente zu fördern und Unterstützung dort zu geben, wo sie erforderlich ist. In einer inklusiven Gesellschaft gibt es keine definierte Normalität. Normal ist allein die Tatsache, dass Unterschiede vorhanden sind. Diese Unterschiede sind eine Bereicherung und dürfen keine Auswirkungen auf die Teilhabe haben. Es ist daher auch die grundsätzliche Aufgabe eines inklusiven Bildungssystems, den Unterricht so zu gestalten, dass durch eine individualisierte Pädagogik und Didaktik jedes Kind seinen Bedürfnissen entsprechend gezielt unterstützt und gefördert werden kann. Wir stehen für Inklusion im gesamten Bildungssystem. Sie muss an allen Bremer Schulen weiter vorangebracht und gefördert werden. Nur so wird verhindert, dass Barrieren im Denken und im täglichen Miteinander entstehen und bestehen bleiben.

 

Hintergrund:

Seit Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes 2009 haben sich die Bremer Schulen auf den Weg der inklusiven Beschulung begeben. Grundlage hierfür ist die UN-Behindertenrechts-konvention. Inklusion meint dabei aber nicht nur die gemeinsame Beschulung von nicht behinderten und behinderten Kindern und Jugendlichen, sondern die Förderung aller Schüler*innen – angefangen von der Einschränkung im kognitiven Bereich bis hin zur Hochbegabung, ungeachtet der Weltanschauung, Religion oder sozialen und kulturellen Herkunft. In Bremen besuchen nur noch ca. 1,2 Prozent der Schüler*innen Förderzentren, als Wahlangebot für Schüler*innen mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf Hören (Schule für Hörgeschädigte in der Marcusallee), Sehen (Schule für Sehgeschädigte An der Gete) und körperlich-motorische Entwicklung (Schule für körperliche und motorische Entwicklung An der Louis-Segelken-Straße). Außerdem besteht bis 2024 vorübergehend weiterhin die Schule an der Fritz-Gansberg-Straße für Schüler*innen mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich sozial-emotionale Entwicklung. Die Grünen machen sich dafür stark, dass diese Schule dann ihren Betrieb einstellt und entsprechende inklusive Alternativstrukturen in den Schulen geschaffen sind (s.u.). Im neuen Bildungskonsens haben sich die Parteien u.a. darauf verständigt, dass unter externer Begleitung eine kontinuierliche Arbeitsgruppe „inklusive Bildung“ eingerichtet wird, die die Weiterentwicklung der Umsetzung der Inklusion und deren Kommunikation in die Schulen hinein vorantreibt und unter allen Beteiligten abstimmt. Ziel ist, die Inklusion als selbstverständliche und gemeinsame Aufgabe zu verwirklichen. Eine Unterstützungsstruktur nach Hamburger Vorbild sollte auf der Basis „inklusiver Schulhospitationen“ förderliche Praktiken mit Schulen und Schulaufsicht weiterentwickeln.

 

Herausforderungen – grüne Positionierungen:

  • Im bundesweiten Vergleich schneiden unsere Kitas schon heute gut ab. Der Betreuungsschlüssel ist besser als in vielen anderen Bundesländern. In Bremen und Bremerhaven ist die Inklusion in Kitas gelebte Praxis. Wir wollen gemeinsam mit den Akteur*innen landesweit einen neuen Orientierungsrahmen für gute fachliche Praxis erarbeiten und diesen mit Fortbildungsangeboten verbinden.
  • Die Sprachförderung muss intensiviert werden. Wir wollen den Übergang von der Kita in die Grundschule durch Festlegung von Kooperationen systematisieren. Dazu wird der „Bildungsplan 0 – 10“ erarbeitet und anschließend umgesetzt. Wir wollen, dass Assistenzkräfte von der Kita in die Grundschule „mitgenommen“ werden können. So stellen wir sicher, dass zum Beispiel zusätzliche Förderung vom ersten Schultag an gewährleistet ist und wichtige Informationen über die einzelnen Kinder nicht verloren gehen. Die Arbeit der Familienzentren wollen wir stärken. Das Thema Inklusion soll stärker in die Ausbildung von Erzieher*innen integriert werden.
  • Wir wissen, dass es massive Probleme gab und gibt, Stellen für Lehrer*innen, Sonderpädagog*innen und Assistenzen zu besetzen. Das muss dringend beseitigt werden. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass in allen Schulen und Bildungseinrichtungen im Land Bremen das Personal aufgestockt wird. Unser Ziel ist eine zweite Person für die besonderen Bedarfe der Schüler*innen. Zudem sind Teams aus Sonder-pädagog*innen sowie mit heilpädagogischen Fachkenntnissen, Schulpsycholog*innen und Pflegefachkräfte erforderlich, um bei entsprechenden veränderten Bedingungen an den Schulen kompetent zu agieren. Nur wenn alle Kinder den Raum und die Unterstützung bekommen, sich individuell mit ihren Talenten zu entfalten und sich im sozialen Miteinander zu üben, gelingt eine vorurteilsfreie Teilhabe.
  • Wir wissen, dass die Inklusion an vielen Schulen hervorragend umgesetzt wird. Wir kennen aber auch die Probleme, die vor allem dann auftreten, wenn einzelne Schüler*innen durch ihr Verhalten das Lernen in der ganzen Klasse erschweren. Hier brauchen wir dringend bessere Voraussetzungen für schulinterne Maßnahmen, wie z. B. die in Hamburg und Berlin praktizierten sogenannten „Übergangsklassen“ oder „temporäre Lerngruppen“. Darüber hinaus benötigen wir eine verstärkte Aus- und Fortbildung der Lehrer*innen und mehr Unterstützung in akuten Krisensituationen, zum Beispiel durch mehr schulersetzende Maßnahmen an den ReBUZen, um nach 2024 das Förderzentrum Fritz-Gansberg-Straße auch wirklich schließen zu können.
  • Wir fordern Inklusion über die 10. Klasse hinaus auch in den Gymnasien und Berufsschulen. Auch Berufsausbildungen sollen so gestaltet werden, dass sie den betroffenen Schüler*innen über die Arbeit in Werkstätten hinaus Alternativen für den Berufseinstieg bieten. Die an beruflichen Schulen bestehenden Werkstufen wollen wir erhalten und stärker mit dem Gesamtschulbetrieb vernetzen.
  • Unterschiedliche Belastungen sollen künftig durch die Anzahl der zu haltenden Unterrichtsstunden ausgeglichen werden. Die Arbeit an Schulen mit besonders vielen sozial und wirtschaftlich benachteiligten Kindern werden wir weiterhin durch eine Kürzung der Lehrverpflichtungen verbessern. Unsere Lehrer*innen erhalten dadurch mehr Zeit, u.a. für die Arbeit in multiprofessionellen Teams und Elternarbeit. Unser Ziel ist es außerdem, den Anteil männlicher Grundschullehrer zu erhöhen.
  • Gute Bildung kostet Geld. Wir werden das Ausgabenniveau in der Bildungspolitik weiter erhöhen, um es an die anderen Stadtstaaten anzugleichen. Das Geld benötigen wir für eine Qualitätsoffensive, u.a. für Investitionen in die Gebäudeinfrastruktur, für eine bessere personelle Ausstattung der Schulen, für die Umsetzung der Inklusion, für die Unterrichtsentwicklung und die Reduzierung des Unterrichtsausfalls.